Warum wird unsere Gesellschaft immer unfruchtbarer?
- Nadia Zimotti
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Fragen, die mich nicht mehr loslassen und eine davon begleitet mich seit Jahren.
Warum werden immer mehr Menschen ungewollt kinderlos?
Noch nie hatten wir so viele medizinische Möglichkeiten.
Noch nie wussten wir so viel über Hormone.
Noch nie konnten wir so früh Diagnosen stellen.
Und trotzdem betrifft Unfruchtbarkeit heute Millionen von Menschen.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt inzwischen, dass etwa jede sechste Person im Laufe ihres Lebens von Unfruchtbarkeit betroffen ist.
Diese Zahl hat mich nachdenklich gemacht.
Nicht, weil ich glaube, dass es dafür nur eine Ursache gibt.
Sondern weil ich mich frage, ob wir vielleicht die falschen Fragen stellen und das ganze falsch angehen.
Sobald das Thema Kinderwunsch aufkommt, beginnen wir zu suchen.
Nach der einen Ursache.
Nach dem einen Hormon.
Nach der einen Diagnose.
Nach dem einen Nahrungsergänzungsmittel.
Nach dem einen Laborwert.
Nach der einen Behandlung.
Doch was wäre, wenn Fruchtbarkeit viel mehr ist als die Funktion unserer Fortpflanzungsorgane?
Die Forschung beschäftigt sich mit vielen möglichen Einflussfaktoren.
Chronischer Stress.
Schlafmangel.
Stoffwechselerkrankungen.
Umweltgifte.
Hormonaktive Chemikalien.
Rauchen.
Alkohol.
Übergewicht.
Ein steigendes Alter beim Kinderwunsch.
Und wahrscheinlich greifen viele dieser Faktoren ineinander.
Ich finde diese Forschung wichtig und gleichzeitig spüre ich, dass sie für mich nicht die ganze Geschichte erzählt.
Denn in meiner Arbeit begegnen mir Frauen, deren Laborwerte unauffällig sind.
Frauen, die alles "richtig" machen.
Frauen, die ihre Ernährung optimieren.
Nahrungsergänzung nehmen.
Sich informieren.
Genau dort beginnt für mich eine andere Betrachtungsweise.
Im Ayurveda gibt es einen Begriff, der mich seit vielen Jahren begleitet = Ojas.
Ojas wird oft mit Lebenskraft übersetzt.
Für mich ist Ojas jedoch viel mehr.
Es ist die Summe dessen, wie wir leben:
Wie wir verdauen.
Wie wir schlafen.
Wie sicher sich unser Nervensystem fühlt.
Wie gut wir regenerieren.
Wie viele Reserven unser Körper überhaupt noch besitzt.
Ein Mensch kann funktionieren.
Arbeiten.
Sport treiben.
Lächeln.
Und gleichzeitig innerlich erschöpft sein.
Genau das sehe ich heute immer häufiger.
Manchmal werde ich gefragt:
Sind es die Handystrahlen?
Die Umweltgifte?
Die Elektromobilität?
Die Mikroplastikbelastung?
Meine Antwort überrascht viele.
Ich glaube nicht, dass sich diese Frage so einfach beantworten lässt.
Ich glaube vielmehr, dass entscheidend ist, welchem Körper all diese Einflüsse begegnen.
Ein Organismus mit vielen Reserven reagiert oft anders als ein Organismus, der seit Jahren im Überlebensmodus lebt!
Das bedeutet nicht, dass Umweltfaktoren bedeutungslos sind.
Aber vielleicht entscheidet auch unser innerer Zustand darüber, wie unser Körper mit äußeren Belastungen umgehen kann.
Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Frage.
Nicht:
Was macht uns krank?
Sondern:
Was raubt uns Tag für Tag unsere Lebenskraft?
Vielleicht verlieren wir unsere Fruchtbarkeit nicht von heute auf morgen.
Vielleicht verlieren wir sie jeden Tag ein kleines Stück.
Durch einen Alltag ohne Pausen.
Durch ständigen Leistungsdruck.
Durch chronischen Stress.
Durch Essen, das kaum noch nährt.
Durch einen Körper, der nur noch funktioniert.
Und irgendwann wundern wir uns, warum genau dieser Körper kein neues Leben mehr tragen möchte.
Ich glaube nicht, dass wir die Fruchtbarkeit unserer Gesellschaft verstehen können, wenn wir nur auf Hormone schauen.
Ich glaube, wir müssen wieder beginnen, den ganzen Menschen zu sehen.
Seine Vitalität.
Seine Regeneration.
Sein Nervensystem.
Seine Lebenskraft.
Seine Geschichte!
Vielleicht verlieren wir unsere Fruchtbarkeit nicht nur wegen der Welt, in der wir leben.
Vielleicht verlieren wir sie auch, weil wir vergessen haben, wie man Lebenskraft aufbaut.
Ich habe keine endgültige Antwort auf diese Frage aber einen nächsten Gedanken den ich sicher in einem nächsten Blog teilen werde.
Ich glaube, sie ist es wert, dass wir unsere Perspektiven verändern und wirklich hinschauen.
In Liebe Nadia




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